Ökumenische Gebetsnacht bedenkt Klimagipfel in Paris

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Unter dem Eindruck der Anschläge von Paris kamen am Samstagabend zahlreiche Menschen in der Stadtkirche zusammen, die sich für den Schutz des Klimas engagieren. Bei der ökumenischen „Gebetsnacht für das Klima“ wurde deutlich, wie eng ökologische Überlegungen und der Weltfrieden zusammenhängen. Gemeinsam mit verschiedenen Interessengruppen und Initiativen luden die beiden großen Konfessionen zum „Gebet für Paris“ ein. Dabei wurden die Betroffenen der Terroranschläge ebenso bedachte wie die Verantwortlichen für den bevorstehenden Klimagipfel in der französischen Hauptstadt.

Der Umweltbeauftragte des evangelischen Dekanats, Roland Wolkersdorfer, hatte die Idee zu dem Abend mit geistlichen Elementen, Wissenswertem zur Situation des Klimas und Informationen über die Arbeit der Umweltinitiativen in der Region. Er machte deutlich, dass die bevorstehende Klimakonferenz „epochale Bedeutung“ habe. Wenn die Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad nicht gelinge, würden die Folgen ein unvorstellbares Ausmaß annehmen.

Notwendiger Lebensrhythmus

Um die Bedeutung des Themas zu unterstreichen, teilten sich die beiden Dekane der christlichen Kirchen die Predigt. Klaus Stiegler erinnerte an das Ende der biblischen Sintflutgeschichte: Gott habe der Welt ihren Rhythmus zurückgegeben, den sie brauche, um zu existieren: Saat und Ernte, Sommer und Winter. Diese gute Ordnung werde vom Menschen vielfach durchbrochen, die vorhandenen Ressourcen oft sinnlos verschwendet. Auch der Terrorismus nähre sich von den chaotischen Verhältnissen in manchen Ländern und der ungerechten Verteilung der dort vorhandenen Güter, so Stiegler.

Mit einem Zitat des italienischen Dichters Dante rief der katholische Dekan Domkapitular Alois Ehrl zum Handeln auf. Das Klima sei ein wertvolles Gut für alle, das nicht „leichtgläubig und tatenlos“ aufs Spiel gesetzt werden dürfe. Unter dem Klimawandel litten diejenigen am meisten, die am wenigsten dazu beitrügen. In einer globalen Welt aber könne niemand unabhängig von allen anderen leben.

Breites Engagement

Verschiedene Verbände und Umweltinitiativen stellten im Rahmen der Gebetsnacht ihre Arbeit vor: Vom Bund Naturschutz und dem „Eine Welt“-Laden bis hin zu regionalen Initiativen wie dem „Energiebündel“ und der „Agenda 21“ Gruppe „Bürgersolaranlagen“. Dabei wurde deutlich dass der Klimaschutz mit einer großen Palette von Herausforderungen verbunden ist: Dazu gehören das politische Eintreten für das Klima ebenso wie die Umsetzung von ökologischen Maßnahmen vor Ort. Auch Fortbildungsangebote und eine breite Öffentlichkeitsarbeit gehören zu den Aufgaben der ehrenamtlichen Initiativen. 

Die Klimaschutzbeauftragten des Landkreises und des Bistums Eichstätt, Barbara Dennerlein und Bernd Grünauer, erzählten aus ihrer hauptamtlichen Tätigkeit. Sie erklärten wie die Konzepte für den Klimaschutz in die Wirklichkeit umgesetzt werden, damit sie keine theoretischen Entwürfe bleiben. Ein Beispiel dafür sei die Einführung des „Grünen Gockel“: Margit Korn von der evangelischen Kirchengemeinde Unterreichenbach und Ursula Markus vom Caritas Altenheim St. Willibald berichteten von ihren Erfahrungen mit dem kirchlichen „Öko-Siegel“. Die Einführung eines Umweltmanagements, das eng mit der europäischen EMAS-Norm verbunden ist, sei ein langer und nicht immer einfacher Weg gewesen. Die gemeinsamen Anstrengungen hätten jedoch ein Umdenken bei den Mitarbeitenden und das Umweltthema mit seinen vielen Facetten in den Köpfen der Verantwortlichen verankert

Verbindliche Einigung

Bürgermeister Walter Schnell aus Kammerstein stellte das Votum der evangelischen Landessynode zum Thema vor. Das kirchliche Leitungsgremium unterstütze, ebenso wie die gerade beendete EKD-Synode, die Forderungen der Klimaschützer nach einer Begrenzung der Erderwärmung. Außerdem rufe die Synode im Namen Gottes auf zur Verantwortung in und für die Welt und fordere eine völkerrechtlich verbindlichen Einigung zum Schutz des Klimas, wie Schnell erklärte.

Als symbolisches Geschenk an die Delegierten des Weltklimagipfels hatten Kommunen und Kirchengemeinden Erdproben aus der Region zusammengetragen, die an den Klimagipfel weitergesendet werden sollen. Außerdem richteten die Mitwirkenden an die Versammlung in Paris den dringenden Wunsch nach einer Übereinkunft, zu der alle Staaten nach ihren Möglichkeiten beitragen, um gerechte, weitreichende und dauerhafte Maßnahmen zum Schutz des Klimas zu etablieren.

Die Band „Spurensucher“ aus Kammerstein begleitete die Gebetsnacht mit nachdenklichen Liedern und Musikstücken. Mit den Fürbitten aller Beteiligten und einer Gebetsstille endete der besondere Gottesdienst mit der Bitte um Frieden in der Welt, der ohne die Erhaltung eines lebensfreundlichen Klimas nicht denkbar ist.  

 

Bild: Erde aus der Region für den Klimagipfel in Paris: Die beiden Dekane Alois Ehrl und Klaus Stiegler bei der Gebetsnacht für das Klima (Foto: Ursula Kaiser-Biburger)